Harmonie, Streit oder das ganz normale Chaos der Liebe
Harmonie, Streit oder das ganz normale Chaos der Liebe
Chemnitzer Soziologen veröffentlichen Ergebnisse eines
Forschungsprojektes zu Entwicklungsprozessen von Partnerschaften.
Das Buch steht ab Freitag, 28.05., in der Zenralbibliothek zur Ausleihe.
Die Grundlage der Untersuchung
war eine in den Jahren 2007 und 2008 durchgeführte Befragung Chemnitzer
Bürger. Am 26. Mai 2010 übergab Projektleiter Prof. Dr. Johannes Kopp, Professor für empirische Sozialforschung an der TU Chemnitz, drei Exemplare des druckfrischen Buches an Bibliotheksdirektorin Elke Beer.
Wie entwickeln sich Partnerschaften heute? Folgen sie
Entwicklungspfaden und Verfestigungsmustern oder herrscht das ganz normale Chaos der Liebe, in dem sich Partner ihre Beziehung
eigenwillig gestalten? Diese und ähnliche Fragen standen 2007 am Beginn eines Forschungsprojektes zu Entwicklungsprozessen von Partnerschaften am Institut für Soziologie der Technischen Universität Chemnitz, an dem mehr als 600 Paare aus der Region beteiligt waren. Dessen wichtigste Ergebnisse, die einen wichtigen ersten Schritt hin zu einem Verstehen partnerschaftlicher Verfestigung liefern, sind nun in Buchform erschienen.
"Partnerschaften unterliegen auch heute noch einer Logik trotz des
zeitlichen Auseinanderfallens einiger wichtiger Schritte im Rahmen
der Paarentwicklung - wie etwa das erste Kennenlernen, der Beginn einer sexuellen Beziehung, das Zusammenziehen, die Familiengründung und die Eheschließung", sagt Prof. Dr. Johannes Kopp, Inhaber der Professur für empirische Sozialforschung an der TU. Neben einer Vorstellung des Partners bei Eltern und Freunden und dem Liebesbekenntnis bilde die Veralltäglichung etwa durch das Deponieren von Gegenständen in der jeweils anderen Wohnung, dem Austausch der Wohnungsschlüssel und
Gesprächen über das Zusammenziehen die nächste Stufe.
"Verfestigungsprozesse müssen also wesentlich feiner differenziert
werden, als dies oft unter Bezug auf Zusammenzug, Heirat und
Familiengründung geschieht", ergänzt Kopp. Die Dynamik von
Partnerschaften, aber auch ihre Magie und die Antwort auf die Frage, ob Beziehungen nur das vorübergehende Aufflackern von gemeinsamen Wegen oder doch dauerhafte und bedeutsame Teile der Biographie darstellen, finde sich in wesentlich feineren Differenzierungen.
Wie stark die Bindung der Partner aneinander ist, lässt sich dabei
gut erklären: Neben einer fast automatischen Verfestigung der
Partnerschaft im Beziehungsverlauf spielt auch das Alter der Partner eine wichtige Rolle. "Grundsätzlich kann die Verfestigung der Paarbeziehung sowohl auf der gegenseitigen Anziehung zwischen den Partnern beruhen als auch durch
Beschleunigungsfaktoren wie eine Familiengründung begünstigt werden", sagt Projektmitarbeiter Dr. Daniel Lois. Wenn man die Paare anhand ihrer Merkmale in Gruppen einteilt, kommt man laut
Lois zu folgenden Ergebnissen: "Zum einen findet sich ein
Beziehungstyp, in der die Partnerschaft insgesamt sehr harmonisch verläuft, was sich unter anderem in einer hohen Zufriedenheit und
einer geringen Konflikthäufigkeit äußert. Diese Paare zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass die Partnerschaft in einem höheren Alter begonnen wurde und beide Partner häufig schon im Erwerbsleben stehen. Den Gegenpol zu diesem Typ bilden belastete Beziehungen, in denen die Partner sich häufig streiten und unzufrieden sind. Personen in dieser Gruppe sind oft Scheidungskinder und haben ihre Partnerschaften häufig
sehr früh begonnen. Im Vergleich zu den harmonischen Paaren trennen sich die belasteten Paare häufiger, und auch die Verfestigung der Partnerschaft vollzieht sich langsamer." Zudem zeige sich, dass Verfestigungsprozesse von den sozialen Nahumwelten, den jeweils relevanten sozialen Beziehungen und Netzwerken beeinflusst werden. "Enge Freunde und Verwandte haben offensichtlich eine Vorbildfunktion: Die Befragten gründen häufig dann eine Familie, wenn im Freundeskreis ebenfalls Kinder geboren werden. Wenn jedoch Eltern oder Freunde den
aktuellen Partner ablehnen, dann verlangsamt sich auch die Verfestigung der Paarbeziehung", ergänzt Lois.
Bibliographische Angaben: Johannes Kopp, Daniel Lois, Christina Kunz, Oliver Arránz Becker, Verliebt, verlobt, verheiratet.
Institutionalisierungsprozesse in Partnerschaften, Wiesbaden 2010, VS Verlag, ISBN: 978-3-531-16860-9, Preis: 39,90 Euro
Weitere Informationen erteilen Prof. Dr. Johannes Kopp, Inhaber der Professur für empirische Sozialforschung, Telefon 0371 531-33925, E-Mail johannes.kopp@soziologie.tu-chemnitz.de, und Dr. Daniel Lois, Telefon 0371 531-33191, E-Mail daniel.lois@soziologie.tu-chemnitz.de.
Text: Pressestelle TU Chemnitz
http://www.tu-chemnitz.de/tu/presse/2010/05.25-15.11.html









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