Heiner Müller

Heiner Müller



Geboren: 09.01.1929 in Eppendorf
Gestorben: 30.12.1995 in Berlin


Leben

Die Verhaftung und Internierung des Vaters im KZ Sachsenburg war Müllers Kindheitstrauma. 1938 zog die Familie nach Waren-Müritz (Mecklenburg), 1947 nach Frankenberg, wo der Vater, ein überzeugter Sozialdemokrat, als SED-Bürgermeister eingesetzt worden war. Nach dem Abitur, 1947, arbeitete Müller als Hilfsbibliothekar und journalistisch für die „Chemnitzer Volksstimme“. Als die Eltern vor Verfolgung in den Westen fliehen, bleibt Müller in der DDR, geht nach Berlin und wird 1959 freischaffender Autor. Er gehört heute zu den bedeutendsten deutschen und auch international bekanntesten Dramatikern. Bis in die siebziger Jahre musste er sich Aufführungsverboten beugen. Die von Müller entwickelte offene Stückstruktur betonte das Unabgeschlossene der Geschichte und sparte die Verzweiflung und Verstümmelung des Menschen und seiner Ideale nicht aus, was oft als zynisch und fatalistisch missverstanden wurde. Nach der Wende gehörte Müller dem Leitungsteam des Berliner Ensembles an, wurde 1990 zum letzten Präsidenten der Akademie der Künste der DDR gewählt und arbeitete vor allem als Regisseur. Er wurde mit verschiedenen Literaturpreisen u. a. dem Heinrich-Mann-Preis, Lessing-Preis, Georg-Büchner-Preis und dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet. Aufsehen erregende Aufführungen von Heiner-Müller-Stücken in Karl-Marx-Stadt waren: „Der Auftrag“ (1981, Regie: Axel Richter) und „Der Bau“ (1986, Regie: Frank Castorf). Die Frankenberger Zeit wird von ihm noch in der Autobiografie „Krieg ohne Schlacht“ eher klein geredet. In seinem letzten Stück „Germania 3 Gespenster am Toten Mann“ gibt es allerdings die Szene „Party“, in der Geschehnisse von damals mit realen Personen unter deren wirklichen Namen (Proswimmer, Ebert-Franz und andere) verarbeitet sind. In diese Zeit fällt auch Müllers erste Ehe mit der ehemaligen Mitschülerin Rosemarie Fritzsche und die Geburt der Tochter Regine. Eine wenig bekannte, lockere Verbindung Müllers über den Buchhändler Fritz Delling zur antikommunistischen Widerstandsgruppe „Talleyrand“, die Flugblattaktionen im Chemnitzer Raum unternahm und für Müller die Möglichkeit bot, an „Westliteratur“ zu gelangen, sowie Müllers erste Publikationen und Teilnahme an Fördermaßnahmen der FDJ für den Schriftstellernachwuchs. Die Anfänge des viel später fertig gestellten Stückes „Die Umsiedlerin oder das Leben auf dem Lande“ (Verbot 1961, Premiere unter neuem Titel „Die Bauern“ 1976) liegen ebenfalls in diesen Jahren.

Werke 
Die Korrektur (1958) 
Der Lohndrücker (1958) 
Der Bau (1965) 
Herakles 5 (1966) 
Ödipus Tyrann (1967) 
Philoktet (1968) 
Macbeth (1972) 
Zement (1973) 
Die Schlacht (1975) 
Mauser (1975) 
Germania Tod in Berlin (1978) 
Leben Gundlings Friedrich von Preußen (1979) 
Hamletmaschine (1979) 
Der Auftrag (1980) 
Quartett (1982) 
Verkommenes Ufer (1983) 
Bildbeschreibung (1985) 
Wolokolamsker Chaussee I-V (1986-88) 
Gedichte (1992) 
Krieg ohne Schlacht (Autobiographie, 1992) 
Germania 3 Gespenster am toten Mann (1996) 
u. a. 

Diese Titel finden Sie in der Stadtbibliothek Chemnitz.


Weiterführende Informationen

Hauschild, J.C.: Heiner Müller oder das Prinzip Zweifel (Biografie), Berlin 2001.
Lehmann, Hans-Thies, Primavesi, Patrick (Hg.): Heiner Müller Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, Stuttgart u. Weimar 2003.


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Zuletzt geändert am 16.02.2009 13:02 Uhr