Johann Most

Johann (John) Most



Geboren: 05.02.1846 in Augsburg
Gestorben: 17.03.1906 in Cincinnati/Ohio (USA)

Leben

Johann Most wuchs als uneheliches Kind in armen Verhältnissen auf. Die Mutter starb früh. Als Dreizehnjähriger wurde er wegen eines Schülerstreiks von der Schule verwiesen. Er lernte Buchbinder und ging in Deutschland, Ungarn und der Schweiz auf Wanderschaft. 1863 kam er in Kontakt mit der Arbeiterbewegung insbesondere der Arbeiter-Internationale. Als Agitationsredner wurde er mehrmals eingesperrt und abgeschoben. 1970 besuchte er A. Bebel und W. Liebknecht in Leipzig. Seit Juni 1871 war er Chefredakteur der „Chemnitzer Freien Presse“, deren Popularität in den Folgejahren entscheidend zum Aufschwung der Chemnitzer Arbeiterbewegung beitrug. 1872/73 war er mehrmals verhaftet und zweimal im Roten Turm, später in Zwickau eingesperrt, wo er eine „verständliche“ Kurzfassung von Marx’ „Das Kapital“ verfasste. Im Oktober 1873 wurde er aus Sachsen ausgewiesen. In Mainz übernahm er die Leitung der „Süddeutschen Volksstimme“. 26jährig wählte man ihn 1874 als jüngsten Abgeordneten in den deutschen Reichstag, kurz darauf war er in Berlin-Plötzensee inhaftiert. 1877 folgte die Wiederwahl mit großem Vorsprung. 1878, nach Verhängung der Sozialistengesetze, kam er wieder in Haft, erst in Chemnitz, dann in Berlin. Bei den Juli-Wahlen 1878 verlor er sein Reichstagsmandat und wandte sich daraufhin ganz vom Parlamentarismus ab. In London, wohin er inzwischen emigriert war, gab er ab 1879 das anarchistische Blatt „Freiheit“ heraus, das über Schmuggelwege auch nach Deutschland gelangte. 1880 schloss ihn die SPD wegen Tiraden auf Bebel und Liebknecht aus. Most bekundete Sympathie für das Attentat auf Zar Alexander II von Russland (1881) und wurde daraufhin zu 16monatiger Zwangsarbeit verurteilt. In der Haft erlitt er schwere gesundheitliche Schäden. 1882 wanderte er in die USA aus. In New York setzte er die Herausgabe der „Freiheit“ bis zu seinem Tod fort.

Werke 
Kapital und Arbeit. ‚Das Kapital’ in einer handlichen Zusammenfassung. Von Marx und Engels selbst revidiert und überarbeitet (1876, Neuausgabe 1972) 
Marxereien, Eseleien und der sanfte Heinrich. Artikel aus der ‚Freiheit’. Ausgewählt, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Heiner Becker (1985) 
Die Gottespest und andere religionskritische Schriften (1900) 
Ein Sozialist in Deutschland [d. i. eine gekürzte Fassung der beiden Autobiographien „Acht Jahre hinter Schloss und Riegel. Skizzen aus dem Leben Johann Most’s“, New York 1886, und „Memoiren. Erlebtes, Erforschtes und Gedachtes“, New York (1903-07)].Hg. von Dieter Kühn (1974) 
Dokumente eines sozialdemokratischen Agitators. 4 Bde. Hg. von Volker Szmula, 1988 

Diese Titel finden Sie in der Stadtbibliothek Chemnitz.


Weiterführende Informationen

Heilmann: Geschichte der Arbeiterbewegung in Chemnitz und dem Erzgebirge, Chemnitz 1912.
Rocker, Rudolf: Johann Most. Das Leben eines Anarchisten, Berlin 1924, Nachtrag Berlin 1925, (Neuausgabe Glashütten/Ts. 1973).
Pfalzer, Stephan (St. P.): Most, Johann, in: Stadtarchiv Chemnitz (Hrsg.): Von André bis Zöllner. 125 Biographien zur Chemnitzer Geschichte, Aus dem Stadtarchiv Chemnitz, Heft 2, Radebeul 1998, S. 70.
Becker, Heiner M. / Graf, Andreas G. (Hg.): Johann Most – ein unterschätzter Sozialdemokrat?, Berlin 2006.


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Zuletzt geändert am 25.09.2008 11:37 Uhr