Stefan Heym

Stefan Heym

[d. i. Helmut Flieg]

Geboren: 10.04.1913 in Chemnitz
Gestorben: 16.12.2001 in Ein Bokek / Israel


Leben

Der Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie wurde 1931 wegen Veröffentlichung eines antimilitaristischen Gedichts vom Chemnitzer Gymnasium verwiesen, emigrierte 1933 nach Prag und 1935 in die USA, wo er mit dem Stipendium einer jüdischen Hilfsorganisation in Chicago Germanistik studierte. Nach seiner Einbürgerung wurde er 1943 zur US-Armee eingezogen. Als Spezialist für psychologische Kriegsführung nahm er an der Invasion in der Normandie teil und organisierte die Pressearbeit im besetzten Deutschland. 1945 kehrte er in die USA zurück. Als Kommunist verfolgt und aus Protest gegen den Koreakrieg verließ er die USA und wurde, nach kurzem Aufenthalt in Prag, ab 1952 in der DDR wohnhaft. Er geriet zusehends in Konflikt mit Partei und Staat vor allem wegen ausbleibender Entstalinisierung der DDR und nach Kritik auf dem 11. SED-Plenum 1965. Er gehörte 1976 zu den Unterzeichnern des Protestbriefes gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann. 1979 wurde er wegen angeblichen Devisenvergehens angeklagt und aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen (1989 wieder aufgenommen und nach der Wende juristisch rehabilitiert). Heym, der sich zeitlebens als kritischer Sozialist verstand, errang 1994 für die PDS einen Sitz im Deutschen Bundestag, dessen Eröffnungssitzung er als Alterspräsident leitete. 1995 legte er das Mandat nieder. Stefan Heym starb während eines Heinrich-Heine-Symposiums in Israel an Herzversagen. Er liegt auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee begraben. Erinnerungen an die Chemnitzer Kindheit finden sich in der Autobiographie „Nachruf“. (Ab 2009 vergibt die Stadt Chemnitz einen Stefan-Heym-Preis für internationale Literatur.)

Werke 
Hostages (1942) = dt. unter d. Titel: Der Fall Glasenapp (1958) 
The Crusaders (1948) = dt. unter d. Titel: Kreuzfahrer von heute (DDR) bzw. Der bittere Lorbeer (BRD, 1950) 
Die Papiere des Andreas Lenz (DDR, 1963) = Lenz oder die Freiheit (BRD, 1965) 
Die Schmähschrift oder Königin gegen Dafoe (1970) 
Der König David Bericht (1972) 
Fünf Tage im Juni (1974) 
Die richtige Einstellung und andere Erzählungen (1977) 
Collin (1979) 
Ahasver (1981) 
Schwarzenberg (1984) 
Reden an den Feind (1986) 
Nachruf (1988) 
Auf Sand gebaut (1990) 
Radek (1995) 
Pargfrieder (1999) 
Die Architekten (2000) 
u. a. 

Diese Titel finden Sie in der Stadtbibliothek Chemnitz.

Weiterführende Informationen

Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Hg. von Heinz Ludwig Arnold. Göttingen 1978 (wird ständig fortgesetzt)
Zachau, Reinhard: Stefan Heym, München 1982.
General, Regina u. Sabath, Wolfgang: Stefan Heym, Berlin 1994.
Hutchinson, Peter: Stefan Heym. Dissident auf Lebenszeit, Würzburg 1999.
Gellermann, Herrmann: Stefan Heym: Judentum und Sozialismus, Berlin 2002.
Hutchinson, Peter (Hg.): Stefan Heym. Socialist – Dissenter – Jew, Oxford u. a. 2003. Filz, Roman: Stefan Heym, München 2005.


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Zuletzt geändert am 25.09.2008 11:50 Uhr