Vom strukturierten Lesen und "schwebender Aufmerksamkeit"...
Ein Vergleich zwischen der Informationsaufnahme in der heutigen Zeit und der damaligen Qualitätsüberprüfung von gewebten Teppichen ist gar nicht mal so abwegig. Die zu prüfende Information (der Teppich oder der Informationsstrom eines Microbloggingdienstes wie Twitter) zieht am Auge des Betrachters vorbei und jener geht auf unterschiedliche Weise an die Informationsaufnahme und -analyse heran:
Der Informationsstrom wird in handliche Sektionen unterteilt und nach und nach strukturiert aufgenommen. Doch ist so etwas im informationsüberfluteten 21. Jahrhundert zeitlich überhaupt noch zu realisieren?
Der geübte Verstand erkennt auch bei rasch vorbeiziehenden Teppichen den Fehler im Gewebe wie auch informationsbegierige Individuen im Jahr 2010 durch "schwebende Aufmerksamkeit" in dichten Informationsströmen zwar sehr viele Informationen nur oberflächlich wahrnehmen, aber die wichtigen für sich herausfiltern können.
Warum wir das alles schreiben? Es ist nur eine - wenn wohl auch eine essentielle - Erkenntnis aus Dr. Lutz Gerlachs (TU Chemnitz) Vortrag beim Chemnitzer WebMontag, der am 18. Januar zum mittlerweile zweiten Male stattfand. Dass es verschiedene Typen von Informationsempfängern gibt, stellte der Uni-Forscher in seinem Referat über das Kommunikationstool Communote heraus. Communote funktioniert ähnlich wie Twitter, ist aber durch die Installationsmöglichkeit auf eigenen Servern auch zur internen Unternehmenskommunikation geeignet...
Übrigens: Auf die Frage hin, wer denn alles den bekannten Microbloggingdienst Twitter schon benutze, meldete sich ungefähr die Hälfte der insgesamt 65 WebMontag-Teilnehmer, doch das nur am Rande...
Diverse Arbeitsgruppen an verschiedenen Lehrstühlen der TU Chemnitz arbeiten bereits mit dem "Enterprise Microblogging"-Tool Communote. Effizienz ist bei solchen Formen der Projektorganisation natürlich immer sehr schwierig zu messen, zumindest ließ sich beobachten, dass die Kommunikationsteilnehmer sich und die jeweiligen Kommunikations- und Informationsverhalten besser kennenlernten. Die Wirkungsweisen und Erfahrungen der Teams kann man im Nachhinein am besten der WebMontag-Präsentation Lutz Gerlachs entnehmen:
Mehr als nur schwebende Aufmerksamkeit galt auch der Stadtbibliothek Chemnitz an diesem Abend. Die im zweiten Vortrag vorgestellte digitale Bibliothek ChemNetzBib stieß auf großes Interesse, die Ausleihmodalitäten jedoch zum Teil auf Unbehagen.
Im Gegensatz zur Musikindustrie verzichten die an der digitalen Ausleihe teilnehmenden Verlage noch nicht auf einen Kopierschutz. Folglich wird eine zeitlich begrenzte "Ausleihe" der eMedien durch "Digitales Rechtemanagement" (DRM) nachgebildet. Digitale Rechteverwaltung ist für die einen, nämlich für die Rechteinhaber der Inhalte, ein vermeintlicher Segen weil relativer Kopierschutz geboten wird, für viele Endnutzer jedoch ein Fluch, weil mit DRM-geschützten Dateien bestimmte, mitunter abschreckende, Bedingungen einhergehen: Wie in etwa im Falle der ChemNetzBib die bestimmte Ausleihfristen oder Betriebssysteme und Software, mit der die ausgeliehenen Medien geöffnet werden können.
Es ist daher ein dringendes Desiderat der Stadtbibliothek Chemnitz, in Zusammenarbeit mit der Partnerfirma DiViBib GmbH und anderen deutschsprachigen Bibliotheken die Nutzung der digitalen Ausleihe auch für weitere Betriebssysteme und populäre mobile Geräte wie iPod oder iPhone uneingeschränkt zu ermöglichen.
Und sonst? Die Vorträge mit anschließender Diskussion sind ja nur ein Teil des WebMontages. Vor und nach dem Programmteil kamen Studierende, "Businessmenschen" und "Hobbynetzwerker" wieder in lockerer Runde zusammen und tauschten Erfahrungen aus, vertieften das Gehörte, verglichen iPhone-Applikationen, sprachen über zukünftige Kooperationen und aktuelle Webtrends und twitterten mit dem Hashtag #wmc02 live vom 2. Chemnitzer WebMontag.
Der dritte WebMontag, voraussichtlich Ende März, Hashtag #wmc03, wird wieder im Café im Tietz stattfinden und in etwa unter dem großen Thema "Creative Commons, Open Access und freie Inhalte" stehen. Eine genaue Formulierung des Themas sowie einzelne Vortragsthemen werden wir noch bekanntgeben.
Links:
- YouTube-Videobeitrag zum 2. Chemnitzer WebMontag von Michael Pape (Breaking News TV)
- Fotos @ Flickr vom 2. Chemnitzer WebMontag:
Leon Weidauer, Patrick Schulze und Thomas Lörinczy
- XING-Gruppe Chemnitz
(Mitglieder erhalten automatisch Einladungen zu kommenden WebMontagen)









Sheik Yerbouti
Und ich dachte immer Bibliotheksbesucher können lesen... Aber: "Ein Blu-Ray-Player dagegen erkennt alle...
Kathrin Beckert
23.4.12 Ich las, kaum ein Stocken in der Stimme und das Zittern in den Händen waren nur leicht. Ich las,...
Steffi Fischer
Guten Tag Herr Roscher, Ich habe mir das Buch "Eledil und Krokofant" aus dem Jahre 1967 von Jürgen...
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Guten Tag Herr Roscher, im Internet finden sich nach etwas intensiverer Suche doch einige Gedichte,...
Ingo Roscher
Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin auf der suche nach dem Gedicht von Krokofant und Eledil. Können...