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Lesen gegen Gewalt

Gewalt in Grundschulen, Gewalt in der Familie, Gewalt unter Jugendlichen, extreme Gewalt – das sind äußerst aktuelle Themen, die in der Jugendliteratur auf vielfältige Weise behandelt werden. Ursachen und Zusammenhänge werden differenziert und nachvollziehbar dargestellt. Die Verantwortung der Gesellschaft und des Einzelnen, ihr Scheitern oder ihr Erfolg werden aufgezeigt, Wege zur Verhinderung, zur friedlichen Bewältigung von Konflikten angeboten.

Deshalb entstand 2002 in Zusammenarbeit zwischen der Stadtbibliothek und dem Kriminalpräventiven Rat der Stadt Chemnitz das Projekt „Lesen gegen Gewalt“. Beide Einrichtungen sehen in Autorenlesungen und der Bereitstellung ausgewählter Belletristik und Sachliteratur für Schulklassen eine Möglichkeit, Diskussionen unter Kindern und Jugendlichen und mit ihren Lehrern anzuregen und sachliche Informationen für die Auseinandersetzung mit diesem Thema zur Verfügung zu stellen. Seit 2010 wird das Projekt gefördert vom:

Lokalen Aktionsplan für Demokratie, Toleranz und ein weltoffenes Chemnitz

 

Lesungen 2011

In diesem Jahr finden die Autorenlesungen am 2. und 3. November statt. Zu Gast ist die Autorin Anja Tuckermann, deren Romane unterschiedliche Altersgruppen ansprechen:

* am 2. 11. vormittags in der Stadtteilbibliothek "Vita-Center"(reserviert) und in der Stadtteilbibliothek Einsiedel (reserviert)

*am 2. 11. nachmittags
in der Zentralbibliothek im DAStietz (telefonische Anmeldung für Schulklassen unter 4884276)

*am 3. 11.
vormittags in der Stadtteilbibliothek "Vita-Center"(reserviert) und in der Stadtteilbibliothek im Yorckgebiet (reserviert)

am 3. 11. nachmittags in der Zentralbibliothek im DAStietz
(telefonische Anmeldung für Schulklassen unter 4884276)

Einritt: jeweils 1,- €

Die Bücher:

1. Denk nicht, wir bleiben hier!

(12-14 Jahre) (ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis)

Hugo Höllenreiner ist das Oberhaupt einer großen bayerischen Sintifamilie. Er hat Auschwitz und Bergen-Belsen überlebt und brauchte fünfzig Jahre, bevor er überhaupt darüber sprechen konnte.

1943 wird der neunjährige Hugo mit seinen Eltern, Großeltern, Geschwistern und vielen Verwandten nach Auschwitz deportiert. Dr. Mengele quält ihn und einen seiner Brüder mit brutalen medizinischen Experimenten. Über Ravensbrück und Mauthausen kam Hugo nach Bergen-Belsen. Wie durch ein Wunder überlebte er und wird dort im April 1943 befreit.

Von all dem vermag erst der über Sechzigjährige zu sprechen. In langen Gesprächen mit der Autorin des Buches kamen Stück für Stück lang verschüttete Erinnerungen zurück.

2. Muscha

(10 -12 Jahre) (ausgezeichnet mit dem „Roten Tuch“)

Muscha ist anders und das lassen ihn immer mehr Menschen spüren. Er wird geschlagen und ausgestoßen. Selbst kann er sich den Grund dafür nicht erklären. Nur seine "arischen" Eltern wissen, dass es für den Jungen im nationalsozialistischen Deutschland keinen Platz mehr gibt. Muscha braucht ein sicheres Versteck.

Ein packendes Buch über die Verfolgung von Menschen, die „anders“ sind, die Geschichte eines Sinti-Jungen in der NS-Zeit.

3. Mano. Der Junge, der nicht wusste, wo er war

(ab 14 Jahre) (ausgezeichnet mit dem Friedrich-Gerstäcker-Preis)

Er sitzt am Straßenrand, halbtot, krank und verstört durch seine Erlebnisse im KZ. So finden ihn befreite französische Kriegsgefangene auf dem Weg nach Hause und nehmen ihn mit. Aber in Frankreich darf niemand merken, dass er Deutscher ist. Dort hassen sie die Deutschen.

Mano versteht kein französisch, nachts wacht er schreiend auf, ist traumatisiert von der Schreckenszeit im KZ. Zum Glück nimmt ihn eine Pflegefamilie auf. Er lernt Französisch, geht zur Schule und findet Freunde. Seinen richtigen Namen zu sagen, getraut er sich nicht. Was niemand weiß: Auch seine Eltern haben das KZ überlebt.

Dieses Buch erzählt die wahren Erlebnisse eines Jungen in den Wirren der Nachkriegszeit.

4. Adile - Ein Mädchen aus Istanbul

(ab 9 Jahre)

Anfang der Siebzigerjahre kommt Adile mit ihrer Familie aus der Türkei nach Deutschland.

Merkwürdig findet Adile dieses Land: So viele blonde Menschen, Hunde werden an Leinen gehalten, und es gibt Pärchen, die sich mitten auf der Straße küssen. Dennoch begegnet sie ihm mit Neugier.

Dann kommt der Tag, an dem Adile alleine zurück zur Oma nach Istanbul geschickt wird. Sie fühlt sich fremd in ihrer alten Heimat und fragt sich: „Wohin gehöre ich eigentlich?“

Die spannend wahre Geschichte einer türkisch-deutschen Kindheit.

5. Ein Buch für Yunus

(ab 7 Jahre)

Gar nicht so leicht für den kleinen Yunus, sich zu merken, aus welchen Ländern seine Omis und Väter kommen. Eine deutsch-türkische Geschichte.

Da sind: Nine, Yunus' türkische Großmutter, und Nonno, der italienische Großvater, die deutsche Omi und Lewis, der amerikanische Freund von Yunus' deutscher Mama Maike. Und Emre, den türkischen Papa von Yunus. Bei so vielen Ländern kann man schon leicht den Überblick verlieren.

Deshalb basteln Yunus und Maike ein Buch. Ein richtiges Familienbuch, mit Bildern und Geschichten.

6. Weggemobbt

(ab 12 Jahre)

Philip hält es in der Schule nicht mehr aus, seitdem die Klassentyrannin Dorita in der Klasse das Zepter schwingt. Immer öfter schwänzt er die Schule, bis eines Tages eine neue Mitschülerin, Aster, in die Klasse kommt. Als Flüchtlingskind aus Äthiopien hat sie eine dramatische Vergangenheit. Zusammen mit Philip gelingt es Aster, Dorita zu einer einzigartigen Mutprobe herauszufordern, die sie nicht bestehen wird…

"Weggemobbt" bietet viele Identifikationsmöglichkeiten für junge Leser und könnte sich so an vielen Schulen abgespielt haben.

Die Autorin:

Anja Tuckermann wurde 1961 in Selb geboren und wuchs in Berlin-Kreuzberg auf.

Sie schreibt Romane, Erzählungen und Theaterstücke und leitet Werkstätten für Jugendliche und Erwachsene zum Schreiben von Prosa und Theaterstücken.

Von 1980 bis 1991 gab sie die von ihr gegründete Zeitschrift „Tigermädchen“ heraus. Danach arbeitete sie als Redakteurin und freiberuflich in der Rundfunkredaktion des RIAS.

Ihre Werke wurden bereits in mehrere Sprachen übersetzt.

 

Rückblick

Die erste Projektwoche fand im September 2002 statt. Seither waren jährlich im Herbst Jugendbuchautoren mit beeindruckenden Texten zu Gast:

2010:
Christian Linker: "Das Heldenprojekt" und "Blitzlichtgewitter"

2009:
Manfred Theisen:  „Täglich die Angst“, „Amok“
„Die Rotte“ und „Checkpoint Jerusalem“

2008:
Harald Tondern: „Mitschuldig” und “Der Amsterdam-Tripp“

2007:
Gregor Tessnow: „Knallhart“ 

2006:
Elisabeth Zöller: „Ich schieße … doch“, „Klassenking“,
„und wenn ich zurückhaue“ und „Jetzt bist du dran“ 

2005:
Anja Tuckermann: „Weggemobbt“ und
„Nicht sprechen, nicht schweigen, nicht gehen, nicht bleiben“ 

2004:
Bender: „Schonzeit für Tontauben“

2003:
Michael Wildenhain: „Der Augenblick des Absprungs“
Regina Rusch: „Johanna, wir sind stark“ 

2002:
Marc Höpfner: „Pumpgun“
Anja Tuckermann: „Muscha“ 
Günter Saalmann: „Mops Eisenfaust“

Einige der genannten Titel sind als Klassensatz bzw. thematisches Medienangebot entleihbar.

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