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Die ersten Jahre in der DDR (1952 – 1963)

1952 Nach wiederholtem längeren Aufenthalt in der Tschechoslowakei erhalten Stefan Heym und Gertrude Gelbin die Aufforderung zur Ausreise. Der DDR-Botschafter vermittelt eine Übersiedelung nach Berlin. Dort bezieht das Paar nach einiger Zeit ein Haus in einer neu errichteten Siedlung für Angehörige der Intelligenz am Rande der Stadt. Heym veröffentlicht erste Texte in der Tageszeitung „Tägliche Rundschau“ und den Erzählband „Die Kannibalen“.

1953 Im Frühjahr macht Heym seinen Antrag auf politisches Asyl in der DDR öffentlich und gibt aus Protest gegen den Korea-Krieg mit einem Schreiben an US-Präsident Eisenhower sein Offizierspatent sowie den Orden „Bronze Star Medal“ zurück. Die Akademie der Künste der DDR ehrt ihn mit dem zum ersten Mal verliehenen Heinrich-Mann-Preis.

Am 16. Juni wird Heym Zeuge der Vorboten des Aufstandes Ostberliner Arbeiter. Am folgenden Tag wird er zu einer kurzfristig einberufenen Sitzung des Schriftstellerverbandes einbestellt. Heym kritisiert dort das Versagen der Gewerkschaften und wirbt für die Verabschiedung einer maßgeblich von ihm verfassten Resolution. Eindrücke der Ereignisse verarbeitet er in den folgenden Tagen in einem Aufsatz und einer Artikelserie, die später vom Gewerkschaftsverband FDGB als Broschüre („So liegen die Dinge“) herausgegeben wird. Erste Überlegungen, einen Roman über die Ereignisse des 17. Juni 1953 zu schreiben, stoßen bei Vertrauten und dem Verlag Das neue Berlin auf Interesse. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt deuten sich Konflikte über die Beurteilung der Vorgänge an: Heym lehnt die offizielle Lesart ab, wonach der Aufstand vor allem auf Provokationen des Westens zurückzuführen sei.

Ab Sommer schreibt Stefan Heym in der „Berliner Zeitung“ die regelmäßige Kolumne „Offen gesagt“, in der er sich vor allem mit Zeit- und Alltagsfragen des Sozialismus kritisch auseinandersetzt.

1954 Heym und seine Frau reisen für gut zwei Monate in die Sowjetunion. Während des Aufenthalts entsteht der Reportageband „Reise ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, der zunächst als Artikelserie, später als Buch veröffentlicht wird. Ende des Jahres nimmt Heym in Moskau als Berichterstatter für die Tageszeitung „Tägliche Rundschau“ am II. Allunionskongress der sowjetischen Schriftsteller teil.

Im Sommer erscheint in der DDR Heyms neuer Roman „Goldsborough“. Einige Monate später folgt der Reportageband „Im Kopf sauber“ mit Arbeiten aus seinen ersten beiden Jahren in der DDR.

1955-57 Chruschtschows Distanzierung vom stalinistischen Terror auf dem 20. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, der Aufstand in Ungarn sowie Berichte über die Verfolgung befreundeter Kommunisten während der Stalinzeit befördern Heyms zunehmend kritische Auseinandersetzung mit dem Sozialismus. In Aufsätzen und Redebeiträgen setzt er sich wiederholt mit der Verantwortung des Schriftstellers im Sozialismus auseinander und gerät dadurch in Konflikt mit der offiziellen Kulturpolitik. Nach Differenzen mit dem Presseverband und der Chefredaktion der „Berliner Zeitung“ stellt er seine Kolumne „Offen gesagt“ ein. Eine Auswahl der Beiträge wird dennoch als Buch veröffentlicht. In der DDR erscheint sein Roman „Die Augen der Vernunft“ („The Eyes of Reason“); der Gewerkschaftsbund FDGB zeichnet ihn für den Reportageband „Im Kopf sauber“ mit einem Literaturpreis aus.

1958 Heym beendet seine Arbeit an der ersten, englischsprachigen Fassung seines Romans „Der Tag X“ über den Aufstand vom 17. Juni 1953. Im Frühjahr Reportagereise in die Sowjetunion, aus dem der Band „Das kosmische Zeitalter“ hervorgeht. Heyms Romandebüt „Hostages“ aus dem Jahre 1942 erscheint im Leipziger List-Verlag unter dem Titel „Der Fall Glasenapp“ erstmals in deutscher Sprache.

1959 Anlässlich des 10. Jahrestages der DDR-Gründung wird Stefan Heym mit dem Nationalpreis 2. Klasse geehrt. Um sein Manuskript zum Roman „Der Tag X“ einem breiteren Kreis vorlegen zu können, fertigt Heym eine inhaltlich bereits geringfügig geänderte deutsche Übersetzung an und lässt diese in 50 Exemplaren vervielfältigen. Anfang des Jahres nimmt er an einem Schriftstellerkongress in Indien teil. Auf der Rückreise erfährt er in Prag von seiner einstigen Jugendliebe, dass er nach seiner Übersiedelung in die USA 1935 Vater einer Tochter wurde, die später im Holocaust ums Leben kam.

1961/62 Heyms Anfang 1961 erschienener Erzählband „Schatten und Licht“ führt zu heftigen Debatten über sein „unklares“ Verhältnis zur DDR; die Veröffentlichung seines Romans „Der Tag X“ wird abgelehnt. Der DDR-Schallplattenverlag Litera produziert ein Kinderhörspiel nach dem Theaterstück „Tom Sawyers großes Abenteuer“.

1963 Als Heyms erster in der DDR entstandener Roman erscheint „Die Papiere des Andreas Lenz“ über die deutsche Revolution in Baden 1848/49. Heym beginnt mit der Arbeit an dem Roman „The Architects“, der allerdings erst kurz vor seinem Tod veröffentlicht werden wird.

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Zuletzt geändert am 11.04.2017 18:44 Uhr